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46. TRK-Wert für Chlorfluormethan

(BArbBl. 1/94 S. 54)


1,4 mg/m3 (0,5 ml/m3)

Chlorfluormethan ist im Verzeichnis der krebserzeugenden Gefahrstoffe bei Massengehalten von 1 % in Gruppe II (stark gefährdend) und bei Massengehalten von < 1 - 0,1 % in Gruppe III (gefährdend) eingeordnet.

Arbeitsmedizinische Erfahrungen

Arbeitsmedizinische Erfahrungen sind bislang nicht publiziert worden [1].

Toxikologische Erfahrungen

Chlorfluormethan zeigte im Ames-Test mit und ohne "S-9-Mix" eine starke mutagene Wirkung. Im in vitro Zell-Transformations-Test (baby hamster kidney fibroblasts) ergab sich ebenfalls ein stark positives Ergebnis.

Zur Prüfung auf krebserzeugende Wirkung wurden 36 männliche und 36 weibliche Wistar-Ratten fünfmal wöchentlich über ein Jahr mit je 300 mg/kg des in Speiseöl gelösten Chlorfluormethan per Schlundsonde behandelt. Nach einer anschließenden Nachbeobachtungszeit wurden die Ratten nach insgesamt 125 Versuchswochen getötet. Während unter insgesamt 104 männlichen und 104 weiblichen Kontrollratten (unbehandelt bzw. nur Speiseöl p.o.) nur 2 Magentumoren (1 gutartiger und 1 bösartiger) beobachtet wurden, entwickelten 33/36 (92 %)
der männlichen und 34/36 (94 %) der weiblichen mit Chlorfluormethan behandelten Ratten bösartige Magentumoren. Der erste Magentumor wurde bereits 44 Wochen nach Behandlungsbeginn bei den männlichen Ratten und 48 Wochen nach Behandlungsbeginn bei den weiblichen Ratten beobachtet.

Die starke mutagene Wirkung des Chlorfluormethan in vitro und das Ergebnis des Kanzerogenese-Versuches sprechen für eine starke krebserzeugende Wirkung des Stoffes Andererseits muß berücksichtigt werden, daß Chlorfluormethan Tag für Tag (5 x /Woche über 1 Jahr) in hohen Stoßdosen (je 300 mg/kg Körpergewicht per Schlundsonde) appliziert wurde [2].

Analytik

Zur Messung von Chlorfluormethan in der Luft in Arbeitsbereichen steht eine teilvalidierte Labormethode zur Verfügung. Es handelt sich um ein betriebsinternes Verfahren. Anfragen zum Analysenverfahren sind an das Sekretariat des Ua V des Ausschusses für Gefahrstoffe zu richten (Anschrift: Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitssicherheit - BIA, Alte Heerstraße 111, 53757 Sankt Augustin).

Nach Adsorption auf Aktivkohle und Desorption mit Wasser wird gaschromatographisch mit head-Space analysiert. Die Bestimmungsgrenze für Chlorfluormethan im Gemisch mit anderen teilhalogenierten Kohlenwasserstoff-Verbindungen beträgt 0,1 ml/m3 (Detektor: FID) bei 4,5 l Probeluft.

Herstellung und Verwendung

Bei zwei Herstellern von Chlordifluormethan tritt Chlorfluormethan in geschlossenen Apparaturen als Verunreinigung auf.

Der Stoff Chlorfluormethan, der sich als erste Fluorierungsstufe aufgrund von Beimengungen im Einsatzstoff Trichlormethan bildet, wird nicht isoliert, sondern im weiteren Verlauf des Prozesses vollständig umgesetzt.

Hierbei wird das mit anderen höher siedenden Anteilen im Sumpf der Reindestillation angereicherte Chlorfluormethan zur Reaktion zurückgeführt und dort unter Bildung von Difluormethan verbraucht.

Ergebnisse von Arbeitsbereichsmessungen

Die Probenahmen in der Produktionsanlage und die anschließenden GC-Analysen im Labor mit einer Dauer von insgesamt bis zu einer Stunde pro Schicht werden vom selben Mitarbeiter ausgeführt.

Zur Probenahme wird jeweils eine mit Stickstoff gespülte und evakuierte Stahlflasche an den Probenahmestellen angeflanscht.

Die Konzentration von Chlorfluormethan im Gemisch mit anderen teilhalogenierten Verbindungen variiert je nach Position der Probenahmestelle bis zu 1 Vol-%.

Von beiden Herstellern wurden je zwei personenbezogene Expositionsmessungen bei der Entnahme von Proben in der Gasphase und den anschließenden Laboranalysen durchgeführt. Die 8-h-Schichtmittelwerte liegen jeweils bei < 0,1 ml/m3.

Der Stoff Chlorfluormethan ist technisch unbedeutend.

Bei dem gegebenen Stand der Technik, z.B. geschlossene Probenahme, kann von dauerhaft sicherer Einhaltung des TRK-Wertes ausgegangen werden.

Hinweise

Mit dem TRK-Wert von 0,5 ml/m3 sind die gegebenen analytischen Möglichkeiten berücksichtigt (5-fache Bestimmungsgrenze).

Literatur

[1] Ergebnis einer Recherche in TOXALL

[2] Henschler, D. (Hg.): "Gesundheitsschädliche Arbeitsstoffe", Toxikologisch/arbeitsmedizinische Begründung von MAK-Werten. Arbeitsstoff-Kommission der DFG, Verlag Chemie, Weinheim.

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