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Regelwerk

MSC.1/Rundschreiben 1182 vom 31. Mai 2006
Leitfaden für Techniken des Bergens von Personen

Vom 19. März 2013
(VkBl. Nr. 7 vom 15.04.2013 S. 338; 09.10.2013 S. 723aufgehoben)



Zur aktuellen Fassung

Bekanntmachung

1 Der Schiffssicherheitsausschuss hat auf seiner einundachtzigsten Tagung (10. bis 19. Mai 2006) mit der Absicht, den Seeleuten eine besondere Anleitung über Techniken des Bergens zur Verfügung zu stellen, den in der Anlage wiedergegebenen "Leitfaden für Techniken des Bergens von Personen" angenommen, der vom Unterausschuss "Funkverkehr, Suche und Rettung" auf seiner zehnten Tagung (6. bis 10. März 2006) erarbeitet wurde.

2 Die Mitgliedsregierungen und die internationalen Organisationen mit beratendem Status werden aufgefordert, den in der Anlage beigefügten Leitfaden allen Beteiligten, insbesondere durch Verteilung an Seeleute, zur Kenntnis zu bringen.

Leitfaden für Techniken des Bergens von Personen

1 Einleitung: Der eigene Teil beim Bergen auf See

1.1 Als Seefahrer kann man plötzlich damit konfrontiert sein, Schiffbrüchige bergen zu müssen. Dieses könnte eine über Bord gegangene Person vom eigenen Schiff sein - ein Besatzungsmitglied oder ein Fahrgast - oder das eigene Schiff könnte auf irgendeinen anderen Notfall reagieren; beispielsweise ein wegen Flutung oder Brand verlassenes Schiff oder ein auf dem Wasser notgelandetes Flugzeug.

1.2 Man hätte sich mit geringer oder ohne Ankündigung vorzubereiten, um Personen zu bergen - möglicherweise sehr viele Personen. Wer auch immer sie sind, ihre Leben können in deinen Händen liegen.

1.3 In vielen Gebieten der Erde, besonders dann, wenn sie sich außerhalb des Bereichs der landgestützten Suche- und Rettungseinrichtungen (SAR) befinden, kann dein Schiff die erste oder die einzige Rettungseinheit sein, um sie zu erreichen. Auch wenn sich Spezialeinheiten anschließen, wird man noch eine wesentliche Rolle zu spielen haben, besonders bei einem größeren Vorfall. Wenn man gefordert ist, Schiffbrüchige zu bergen, ist es die eigene Fähigkeit und das eigene Schiff, das zählt. Man hätte eine einmalige Lösung für ein einmaliges Lebensrettungsproblem zu finden. Um sicherzustellen, dass man sicher und wirksam reagieren kann, muss man Überlegungen über die allgemeinen Belange im Voraus anstellen.

1.4 Der Ablaufvorgang des Bergens ist oft alles andere als einfach. Beispielsweise kann er erschwert sein durch:

  1. den Unterschied in der Größe zwischen dem eigenen Schiff und dem Überlebensfahrzeug: Die Überlebenden hätten beträchtliche Strecken zu klettern oder müssten beträchtliche Strecken hochgezogen werden, um auf das eigene Schiff zu kommen,
  2. Unterschiede in den Relativbewegungen zwischen dem eigenen Schiff und dem längsseits liegenden Überlebensfahrzeug: Es kann schwierig sein, das Überlebensfahrzeug längsseits zu halten, und für die Überlebenden kann es schwierig sein, auf Leitern usw. oder durch Außenhautöffnungen zu kommen, oder
  3. die körperliche Fähigkeit derjenigen, die zu bergen sind: Wenn sie körperlich unfähig sind, können sie vielleicht wenig oder nichts dazu beitragen, sich selbst zu helfen.

1.5 Dieser Leitfaden behandelt einige dieser grundlegenden Probleme und auch einige der Lösungen. Er schlägt einige brauchbare Techniken des Bergens vor, die erfolgreich zum Einsatz gekommen sind, um Schiffbrüchige zu bergen.

2 Ziele dieses Leitfadens

2.1 Dieser Leitfaden konzentriert sich auf das Bergen und die Arbeiten, die man durchzuführen hat, um dieses zu erreichen. Die Notwendigkeit für das Bergen ist selten, und das eigene Schiff ist für die Aufgabe möglicherweise baulich nicht geeignet. Man kann jedoch damit konfrontiert sein, es versuchen zu müssen.

2.2 Dieser Leitfaden ist dafür vorgesehen, als ein Bezugsdokument verwendet zu werden. Man sollte es jetzt lesen, und man sollte als Teil der Vorbereitung für die Bergungsarbeiten während des Fahrens zum Unglücksort wieder darauf zurückkommen.

2.3 Die grundsätzlichen Ziele des Leitfadens bestehen darin, dir zu helfen - als Kapitän oder als Besatzungsmitglied eines reagierenden Schiffes - um:

  1. geeignete Mittel für das Bergen an Bord des eigenen Schiffes zu bewerten und darüber zu entscheiden,
  2. in der Verwendung dieser Mittel für das Bergen auszubilden, im Allgemeinen Vorbereitung für Notfälle, und
  3. sich selbst und das eigene Schiff vorzubereiten, wenn tatsächlich auf einen Notfall reagiert wird.

2.4 Dieser Leitfaden unterstützt die Anleitungen für das Bergen im International Aeronautical and Maritime Search and Rescue (IAMSAR) Manual, Volume III, "MOBILE FACILITIES", das an Bord verfügbar sein muss. Zusätzliche Anleitungen befinden sich auch im Anhang dieses Leitfadens.

2.5 Bergen - Schiffbrüchige auf das eigene Schiff zu bekommen - ist nur ein Teil der gesamten Rettungsaktion. Zur Anleitung von SAR-Aktionen als Ganzes sollte man sich auf das IAMSAR Manual beziehen.

2.6 Der Einfachheit halber bezieht sich dieser Leitfaden auf Rettungsboote, Rettungsflöße usw. als "Überlebensfahrzeuge". Es ist auch möglich, dass man Personen von anderen kleinen Fahrzeugen wie beispielsweise kleinen SAR-Fahrzeugen, unmittelbar von kleinen Schiffen in Seenot wie beispielsweise Yachten oder Fischerbooten oder aus dem Wasser usw. bergen wird. Im Allgemeinen gelten durchweg die gleichen Grundsätze des Bergens.

3 Die Aufgabe des Bergens: Mögliche Probleme

3.1 Während des Fahrens zum Unglücksort ist es wahrscheinlich, dass man nur beschränkte Informationen darüber haben wird, was man vorfindet, wenn man angekommen ist. Was man wohl finden wird, sind Personen in Überlebensfahrzeugen oder im Wasser. Man muss sich auf ihr Bergen vorbereiten.

3.2 Der Ablaufvorgang des Bergens kann eine schwierige und gefährliche Aktion sein, sofern er nicht richtig vorbereitet ist. Die folgende Liste behandelt einige der Probleme, mit denen man möglicherweise zu rechnen hat.

  1. Das Bergen aus einem Überlebensfahrzeug ist nicht einfach - siehe nachfolgenden Absatz 3.3.
  2. Bei einem schnellen oder unkontrollierten Verlassen des Schiffes, bei dem nicht jeder imstande gewesen ist, in ein Überlebensfahrzeug zu kommen, wird man möglicherweise auch Personen im Wasser vorfinden, oder die sich an treibenden Wrackteilen festhalten usw. Bei diesen Personen ist es weniger wahrscheinlich, dass sie sich selbst helfen können, als wenn sie in einem Überlebensfahrzeug wären. Auch werden sie nicht so lange überleben.
  3. Die Personen können noch an Bord des in Seenot befindlichen Fahrzeugs sein, und ein direktes Bergen kann ohne den dazwischenliegenden Einsatz von Überlebensfahrzeugen erforderlich sein.
  4. Kleine Fahrzeuge sind besonders gefährdet, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe des eigenen Schiffes befinden. Ihre Masten, Takelage oder andere Ausrüstungsteile können sich verfangen, und es besteht die Gefahr des Zerdrückens oder einer anderen Beschädigung, wenn sich die zwei Schiffe im Seegang bewegen.
  5. Die Personen müssen möglicherweise auch von anderen Orten geborgen werden, die sie vor dem Eintreffen des eigenen Schiffes erreicht haben (Felsen, Riffe, Sandbänke, nur von See aus zugängliche Uferstreifen, Seezeichen, verankerte Schiffe usw.).
  6. Zusätzlich zum Bergen von Personen durch das eigene Schiff, kann man Personen von anderen SAR-Einheiten wie beispielsweise Bereitschaftsbooten oder Hubschraubern bekommen. Diese Einheiten könnten den Wunsch haben, die Personen eher dem eigenen Schiff zu übergeben, als sie direkt an Land zu bringen, sodass sie zurück fahren können, um andere Personen schneller aufnehmen zu können. Viele der Probleme im Zusammenhang mit dem Bergen von Personen aus Überlebensfahrzeugen gelten auch für den Transfer von Personen aus (kleinen) Bereitschaftsbooten auf (große) Schiffe.
  7. Der Transport mit Hubschraubern hat seine eigenen besonderen Anforderungen einschließlich Ausbildung und Vorbereitung an Bord - siehe IAMSAR-Manual, Volume III, Section 2: "Helicopter Operations".

3.3 Es gibt wahrscheinlich weitere Erschwernisse, auch nach einer kontrollierten Evakuierung, bei der die Personen in ein Überlebensfahrzeug erfolgreich eingestiegen sind.

  1. Die Arten der Überlebensfahrzeuge unterscheiden sich.
    1. Überlebensfahrzeuge mit Motorantrieb können sich vielleicht selbst längsseits des bergenden Schiffes (das eigene Schiff) manövrieren, aber diejenigen ohne Motorantrieb können dieses nicht.
    2. Viele Überlebensfahrzeuge sind mit Dächern abgedeckt, und diese Dächer sind möglicherweise nicht abnehmbar. Die Dächer unterstützen das Überleben während des Wartens auf ankommende Hilfe, aber sie können beim Bergen im Wege sein. Das Aussteigen aus einem geschlossenen Überlebensfahrzeug kann schwierig sein, wenn sich das Fahrzeug im Seegang befindet, besonders dann, wenn die Ausstiege klein und schwierig zu passieren sind.
  2. Denjenigen, die das Bergen erwarten, kann die Fähigkeit fehlen, sich selbst zu helfen oder anderen zu helfen, ihnen zu helfen. Dieses könnte eine Folge von Verletzung, Krankheit (einschließlich Seekrankheit nach einer Zeitdauer in einem Überlebensfahrzeug), Auswirkungen von Kälte oder Hitze, Lebensalter (unabhängig davon, ob älter oder sehr jung) oder Gebrechlichkeit sein.
  3. Es ist wahrscheinlich, dass Personen, die das Bergen erwarten, wenig oder keine Erfahrung für den Transfer zwischen kleinen Fahrzeugen, wie ihr Überlebensfahrzeug, und größeren Fahrzeugen, wie beispielsweise das eigene Schiff, haben. Zum Beispiel ist das Betreten einer Lotsentreppe und das nachfolgende Hochklettern nicht schwierig für eine Person, die in körperlich guter Verfassung und daran gewöhnt ist, dieses zu tun, aber dieses kann für andere praktisch unmöglich sein.
  4. Es kann Sprachschwierigkeiten geben. Wenn Anweisungen nicht richtig verstanden werden, können die Folgen gefährlich sein. Man hat möglicherweise keine gemeinsame Sprache mit den zu bergenden Personen, und selbst wenn man eine gemeinsame Sprache hat, verstehen sie die gegebenen Anweisungen vielleicht nicht.
  5. Es kann eine große Anzahl von zu bergenden Personen geben. Im Falle eines Fahrgastschiffes kann die Anzahl einige hundert oder sogar einige tausend Personen betragen. Diese Möglichkeit bringt zusätzliche Probleme mit sich, dazu gehören:
    1. Ausmaß: Die bloße Größe des Problems kann entmutigend sein, und die Anspannung der Situation kann dazu führen, dass man die Konzentration und die Wirksamkeit verliert.
    2. Priorität: Wer ist zuerst zu bergen? Es ist klar, dass Personen im Wasser vor denjenigen in Überlebensfahrzeugen Vorrang haben müssen. Es ist weniger klar, ob die Verletzten oder Gebrechlichen vor den leistungsfähigeren Personen, die schneller geborgen werden können, Vorrang haben sollen.
    3. Einsatzmittel: Die Einrichtungen an Bord des eigenen Schiffes können überfordert werden. Die Überlebenden benötigen Schutzraum, und anschließend Wärme, Wasser, Nahrung, und, wahrscheinlich, et- was medizinische Fürsorge.
    4. Einsatzkräfte: Man wird eine ausreichende Anzahl von Einsatzkräften für das Navigieren des eigenen Schiffes, den Betrieb der Bergungsmittel und die Begleitung der Geborgenen zum Schutzraum benötigen.

4 Planung des Bergens

4.1 Die Gegebenheiten, die man vorfindet, wenn man den Unglücksort erreicht, werden von Vorfall zu Vorfall verschieden sein, aber eine generelle Planung kann und soll vorgenommen werden.

4.2 Bei der Planung, wie man die Personen am besten an Bord des eigenen Schiffes bekommt, muss man folgendes berücksichtigen:

  1. Wer wird für den Ablaufvorgang des Bergens gebraucht werden;
  2. wer wird das Schiff in der Zwischenzeit führen;
  3. was kann getan werden, um den Personen vor dem Bergen zu helfen;
  4. die für das Bergen zur Verfügung stehenden Mittel;
  5. wo auf dem Schiff sind die Überlebenden nach dem Bergen hinzubringen;
  6. wie werden sie betreut, sobald sie an Bord sind; und
  7. wie hält man die eigene Besatzung und die Fahrgäste darüber informiert, was gerade vorgeht.

4.3 Ein erfolgreiches Bergen von Überlebenden wird nur durch Planung und Vorbereitung eintreten:

  1. man muss einen Plan haben;
  2. man muss sicherstellen, dass jeder den Plan und seinen eigenen Platz darin versteht;
  3. man muss vorbereitet sein; und
  4. man muss dafür sorgen, dass jeder mit der erforderlichen Ausrüstung einsatzbereit ist, bevor mit den Bergearbeiten begonnen wird.

4.4 Man hat möglicherweise nicht viel Zeit, über Einzelheiten nachzudenken, wenn der Seenotfall eintritt; wenn man jedoch Überlegungen über die eigenen Einsatzmöglichkeiten im Voraus angestellt hat und man hat geübt, diese wirkungsvoll anzuwenden - kurz gefasst, wenn man vorbereitet ist - wird man nicht viel Zeit benötigen.

4.5 Es ist zu bedenken, dass Pläne nutzlos sind, wenn man nicht weiß, wie man sie umsetzt. Dieses erfordert Ausbildung und die Überprüfung der Pläne und Ausbildung durch Übung.

5 Bereitstellung von Hilfeleistungen vor dem Bergen

5.1 Personen können noch sterben, nachdem man sie gefunden hat, aber bevor man sie an Bord bringen konnte. Das Bergen nimmt Zeit in Anspruch - und diejenigen in Seenot haben möglicherweise nicht viel Zeit, besonders wenn sie im Wasser, ungeschützt und/oder ungesichert sind. Man muss vorbereitet sein, ihnen zu helfen, am Leben zu bleiben, bis man sie bergen kann.

5.2 In Abhängigkeit davon, wie lange das Bergen voraussichtlich dauern wird, benötigen sie möglicherweise:

  1. Schwimmhilfen wie beispielsweise Rettungsringe, Rettungswesten und Rettungsflöße;
  2. Auffindungshilfen wie beispielsweise hochsichtbarer Stoff/Reflexstoff, Leuchten, ein SAR-Transponder (SART) und eine Funkbake zur Kennzeichnung der Seenotposition (EPIRP);
  3. Überlebenshilfen wie beispielsweise Schutz, Kleidung, Getränk, Nahrung und Erste-Hilfe-Mittel; und
  4. Kommunikations-Ausrüstung wie beispielsweise ein Hand-Funksprechgerät.

5.3 Die einfacheren Schwimmhilfen - Rettungsringe im Besonderen - können bei einer anfänglichen Vorbeifahrt des Schiffes für die Schiffbrüchigen ab- oder zugeworfen werden. Falls möglich, ist eine Verbindung durch Leinen (z.B. Leine des Leinenwurfgeräts, Rettungsleine oder Wurfleine) herzustellen und die Objekte sind kontrolliert zu übergeben. Es ist daran zu denken, dass nicht alle Leinen schwimmfähig sind, und dass es erforderlich sein wird, diese sehr nah an die Schiffbrüchigen heran zu bekommen, wenn sie eine Chance haben sollen, diese zu sehen und sich daran festzuhalten.

5.4 Während das Schiff Abstand hält, können schwimmfähige Gegenstände zu den Schiffbrüchigen gefiert werden, indem man diese an Leinen auf sie zutreiben lässt, die beispielsweise an einem Rettungsring festgemacht sind, oder durch Schleppen an eine Position bringt, an der die Schiffbrüchigen diese zu fassen bekommen können.

5.5 Wenn sich die Bergearbeiten möglicherweise in die Länge ziehen, können eines oder mehrere der eigenen Rettungsflöße ausgebracht werden. Es ist jedoch zu bedenken, dass ein Rettungsfloß schneller abdriften kann, als die Schiffbrüchigen schwimmen können. Es wird notwendig sein, es zu den Personen zu leiten, denen geholfen werden soll; und dieses bedeutet, dass am Rettungsfloß eine Leine festgemacht wird, bevor es ausgebracht wird: Man darf sich nicht auf die eigene Fangleine des Rettungsfloßes verlassen, die möglicherweise abreißt.

5.6 Während man das eigene Schiff für die Bergearbeiten klar macht, kann man den Schiffbrüchigen auch helfen, indem man für sie Lee macht , oder, wenn eine Leinen-Verbindung hergestellt werden kann, indem man sie aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich herausschleppt, der beispielsweise durch das Wrack selbst, ausgelaufene gefährliche Ladung oder eine Leeküste dargestellt wird.

6 Der Vorgang des Bergens

6.1 Während des Vorgangs des Bergens sind drei grundlegende Aufgaben durchzuführen:

  1. Das Verbringen der Personen an die Seite des Schiffes, sodass sie geborgen werden können;
  2. das Anbordbringen der Personen; und
  3. ihre Behandlung, sobald sie an Bord sind.

6.2 Einige Hinweise zu jeder der vorstehenden Aufgaben sind nachfolgend aufgeführt. Bei der Planung und Vorbereitung muss man sorgfältig über jede von ihnen nachdenken. Wenn man dieses abgeschlossen hat, sollte der Vorgang des Bergens leichter sein, wenn man ihn durchzuführen hat.

  1. Die Mittel für das Bergen Schiffbrüchiger sind vor Erreichen des Unglücksorts klarzumachen.
  2. Man hat sich selbst und die eigene Besatzung vor Erreichen des Unglücksorts vorzubereiten. Jeder muss seine Pflichten kennen und sich so weit wie möglich daran halten.
  3. Die Nachrichtenübermittlung an Bord ist vorzubereiten, damit Ausgucksleute und Bergungs-Gruppe sich mit dem Brückenteam leicht in Verbindung setzen können.
  4. Man hat über die Vorgehensweise nachzudenken, bevor man sie festlegt:
    1. Man hat festzulegen, welches der wesentlichste Faktor zur Herstellung eines Lees für den Unfall sein wird - Wind, Seegang oder Dünung;
    2. man hat die Schifffahrtsgefahren am Unglücksort einzuschätzen;
    3. man hat zu entscheiden, auf welcher Seite unter Beachtung der Manövereigenschaften des eigenen Schiffes Lee gemacht werden soll;
    4. man hat das Zulaufen bis zum Verunglückten zuerst in Betracht zu ziehen, falls die Zeit es erlaubt; um zu helfen, nimmt man seine eigene Einschätzung vor;
    5. man hat während der Endphase der Annäherung ein Stoppen gut kurz vor dem Verunglückten in Betracht zu ziehen, um die Fahrt aus dem eigenen Schiff zu nehmen und die Wirkung von Wind, Seegang und Dünung einzuschätzen, wenn das Schiff gestoppt ist oder langsam fährt;
    6. man nähert sich mit dem wesentlichen Element (Wind, Seegang oder Dünung) genau am Wetterbug und dem Bergungsziel genau am Leebug; und
    7. wenn man zum Fahrzeug oder zu der Person im Wasser aufkommt, dreht man vom Wetter ab und stoppt, um Lee herzustellen mit dem Bergungsziel dicht an seiner Leeseite;
  5. es ist sicherzustellen, dass man genügend Ausgucksleute hat, die mit der Brücke Verbindung aufnehmen können. Es ist zu bedenken, dass während der Endansteuerung zu einem Überlebensfahrzeug oder zu einer Person im Wasser diese möglicherweise von der Brücke aus nicht sichtbar sind:
  6. es ist sicherzustellen, dass die Ausgucksleute ihre Pflichten kennen; und
  7. Man muss bereit sein, dass Fahrzeuge und/ oder Personen längsseits kommen und dabei Bootsleinen klargemacht werden sowie andere Ausrüstungsteile (einschließlich Sicherheitsleinen und schwimmfähiger Ausrüstung) griffbereit sind.

7 Verbringen der Personen an die Seite des Schiffes

7.1 Wenn sich Personen in Überlebensfahrzeugen oder im Wasser nicht selbst in eine Position bringen können, von der aus sie sicher an Bord des bergenden Schiffes gebracht werden können, muss irgendjemand (oder irgendetwas) losgehen und sie holen.

7.2 Ein großes Schiff im Seegang zu manövrieren, um an einem kleinen Zielobjekt wie einem Überlebensfahrzeug oder einer Person im Wasser längsseits zu kommen und dann längsseits zu bleiben, wird schwierig sein.

  1. In diesem Fall besteht die Hauptgefahr darin, dass das Zielobjekt überfahren und/oder zerdrückt wird.
  2. Es ist auch möglich, das Risiko überzukompensieren, sodass das Überlebensfahrzeug oder die Person verpasst wird, weil man noch zu weit entfernt ist.
  3. Wind, Seegang und Wasserströmung wirken sich wahrscheinlich auf das eigene Schiff und auf das Zielobjekt unterschiedlich aus.

7.3 Es kann andere Faktoren geben, welche diese Aufgabe noch schwieriger machen. Man muss auf sie vorbereitet sein. Zum Beispiel:

  1. Der Raum zum Manövrieren kann durch in der Nähe befindliche Schifffahrtsgefahren eingeschränkt sein, oder es kann in dem Gebiet mehr als ein Überlebensfahrzeug geben: Man muss möglicherweise das Manövrieren längsseits anderer eine Zeit lang vermeiden.
  2. Man muss vermeiden, Personen im Wasser (die möglicherweise sehr schwer zu sehen sind) zu überfahren, während man sich dem ausgewählten Zielobjekt nähert. Es sind gute Ausgucksleute mit unmittelbarer Nachrichtenverbindung zur Brücke zu postieren, während man sich im Gebiet des Vorfalls befindet.
  3. Obwohl Überlebensfahrzeuge mit Motorantrieb vielleicht selbst (und andere Einheiten, die sie abschleppen) längsseits des eigenen Schiffes gelangen und sich dort selbst halten können, kann dieses im Seegang schwierig sein. Bei grober See können die Überlebensfahrzeuge beschädigt werden oder die auf ihnen vorhandenen Personen Schaden erleiden, wenn sie gegen die Schiffsseite schlagen. Boots-Fangleinen und Fender, falls solche vorhanden sind, sind bereit zu halten.
  4. Personen im Wasser können vielleicht schwimmen (über kurze Entfernungen), um zur Schiffsseite zu kommen. Es ist möglich, dass Personen vom Überlebensfahrzeug aus ins Wasser springen, um dies zu tun, wenn man sich nähert, obwohl ihnen zu sagen ist, dieses, falls möglich, nicht zu tun - mindestens bis zu dem Zeitpunkt, an dem man bereit ist, sie zu bergen.

7.4 Die Überwindung des Manövrier-Problems ist eine Angelegenheit der Seemannschaft - und der Vorbereitung. Das Manövrieren des eigenen Schiffes bei geringer Geschwindigkeit, die Beurteilung seiner Bewegung und der des Überlebensfahrzeugs oder der Person im Wasser, ist eine besondere Fertigkeit. Eine sachgemäße Ausbildung ist durch Eigner und Betreiber aller Schiffe zu fördern.

7.5 Es kann dennoch unsicher - oder einfach unmöglich - sein, das Überlebensfahrzeug oder die Personen im Wasser direkt längsseits des eigenen Schiffes zu bringen. Man muss möglicherweise einen anderen Weg finden, sie zu erreichen. Ein Weg, um dieses zu erreichen, ist das Aussetzen eines Bereitschaftsbootes vom eigenen Schiff aus, wenn dieses sicher ausgeführt werden kann.

7.6 Das Aussetzen eines Bereitschaftsbootes dient drei Einsatzzwecken:

  1. Es macht die Annäherung an das Zielobjekt der Endphase leichter;
  2. das erste Bergen (in das Bereitschaftsboot) ist leichter wegen des niedrigeren Freibords des Bereitschaftsbootes und gleichartiger Bewegung zu der des Zielobjektes, und
  3. der Abschluss des Bergens durch Rückkehr zum Schiff und das Einholen zurück an Bord unter Verwendung der eigenen Einholvorrichtung des Bereitschaftsbootes sollte auch leichter sein - immer unter der Voraussetzung, dass es sicher ausgeführt werden kann.

7.7 Es kann nur eine begrenzte Anzahl von Personen bei jeder Gelegenheit an Bord gebracht werden, aber dieses kann eine sicherere Möglichkeit sein als das direkte Bergen. Sie eröffnet auch eine Reihe von Kontrollmaßnahmen, indem mehr Zeit für die Behandlung derjenigen zur Verfügung steht, die geborgen worden sind, sobald sie sich an Bord des Schiffes befinden..

7.8 Für das Aussetzen und Einholen von Bereitschaftsbooten wird Lee wahrscheinlich am besten dadurch erreicht, dass bei langsamer Vorausfahrt die See schräg von vorn genommen und die Arbeit mit dem Boot auf der entgegengesetzten Seite verrichtet wird.

7.9 Für die meisten Schiffe kann das Aussetzen von Bereitschaftsbooten jedoch nur eine Möglichkeit bei halbwegs guten Wetterverhältnissen sein. Bei mittelmäßigen oder schlechten Seegangsverhältnissen kann das Aussetzen und das Einholen zu gefährlich sein und dadurch die eigene Besatzung in Gefahr bringen und eine bereits schwierige Situation noch schlechter machen.

7.10 Der Einsatz des eigenen Bereitschaftsbootes obliegt in Abhängigkeit von den besonderen Umständen des Vorfalls der Entscheidung des Kapitäns. Die zu berücksichtigenden Faktoren umfassen:

  1. Der Ernst der Gefahr für die Schiffbrüchigen: Können sie bleiben, wo sie sind, bis geeignetere Hilfe eintrifft (anderweitig unterstützt durch das zwischenzeitlich Hilfe leistende Schiff - siehe unten) oder sind alternative Mittel für das Bergen verfügbar;
  2. die Wetterverhältnisse vor Ort: vor allem Seegang, aber auch Windstärke und Windrichtung, Umgebungstemperatur und Sichtweite;
  3. die Tauglichkeit des Bereitschaftsbootes:
    1. Die Leistungsfähigkeit der Aussetz- und Einholvorrichtungen des Bereitschaftsbootes;
    2. das Können und die Erfahrung der Besatzung des Bereitschaftsbootes
    3. die Verfügbarkeit der persönlichen Schutzausrüstung für die Besatzung des Bereitschaftsbootes;
    4. die Leistungsfähigkeit der Nachrichtenübermittlung zwischen dem Bereitschaftsboot und dem bergenden Schiff;
    5. die Nähe von Schifffahrtsgefahren für das Bereitschaftsboot; und
    6. die Navigationsfähigkeit des Bereitschaftsbootes, ob unabhängig oder vom Schiff gesteuert, um Gefahren zu vermeiden und die Schiffbrüchigen aufzufinden;
  4. die Manövrierfähigkeit des bergenden Schiffes: Kann man in eine Position kommen, um das Bereitschaftsboot sicher auszusetzen und einzuholen; und
  5. die Nähe von Schifffahrtsgefahren: Welche die Fähigkeit zum Manövrieren des eigenen Schiffes oder zum Bereitstellen alternativer Hilfe für die Schiffbrüchigen begrenzen.

7.11 Eine Alternative für das Entsenden eines Bereitschaftsbootes ist, den zu bergenden Personen Leinen zu übergeben, sodass sie längsseits des Schiffes gezogen werden können. Leinen des Leinenwurfgeräts, Rettungsleinen oder Wurfleinen können für diesen Zweck verwendet werden, und alle sind für eine Verwendung klar zu machen: Auf jeden Fall werden Leinen für die Sicherung von Überlebensfahrzeugen längsseits benötigt werden usw.

7.12 Schwimmende Mittel wie beispielsweise Rettungsringe oder ein aufgeblasenes Rettungsfloß können zu den Schiffbrüchigen an Sicherungsleinen gefiert und danach wieder zum Schiff gezogen werden.

7.13 Achteraus durchs Wasser gezogene Leinen sind eine andere Möglichkeit, möglichst mit Auftrieb und an ihnen angebrachten auffälligen Gegenständen - Rettungsringe, beispielsweise mit Leuchten in der Nacht. Das Schiff ist dann um die Schiffbrüchigen herum zu manövrieren, sodass sie die geschleppten Leinen ergreifen können. Sobald dieses ausgeführt ist, kann das Schiff stoppen und die zu bergenden Personen können längsseits gezogen werden.

8 Anbordnahme von Personen an Bord des Schiffes - zu berücksichtigende Faktoren

8.1 Sobald die Personen in einer Position sind, von der aus sie geborgen werden können, besteht der nächste Teil der Aufgabe darin, die Personen an Bord des Schiffes zu holen. Dieses hängt ab von:

  1. Den vorherrschenden Wetter- und Seegangsverhältnissen;
  2. dem Zustand der zu bergenden Personen;
  3. der Größe des eigenen Schiffes;
  4. der Bauart des eigenen Schiffes;
  5. der verfügbaren Ausrüstung; und
  6. dem Können derjenigen, die sie benutzen.

8.2 Die Wetter- und Seegangsverhältnissen vor Ort sind entscheidend, insbesondere der Seegang.

  1. Wie bewegt sich das zu bergende Zielobjekt im Verhältnis zum eigenen Schiff?
    1. Im Seegang bewegt sich ein großes Schiff im Verhältnis zu einem kleinen längsseits des Schiffes befindlichen Fahrzeug (oder einer Person) sehr unterschiedlich. Das kleinere Zielobjekt neigt dazu, auf jede Welle und Dünung zu reagieren, während das große Schiff nicht reagiert.
    2. Das zu bergende Zielobjekt im Wasser kann durch das eigene Schiff überrannt, zerdrückt, zum Kentern oder zum Sinken gebracht werden, oder es kann hinter sich gelassen werden.
    3. Es kann sehr schwierig sein, von einem kleinen Fahrzeug auf das eigene Schiff umzusteigen, da sich die zwei im Verhältnis zueinander senkrecht bewegen.
    4. Das eigene Schiff und das zu bergende Zielobjekt unterliegen der Abdrift auf unterschiedliche Art und Weise. Schiff und Zielobjekt können zueinander oder auseinander geblasen werden. Auch Wasserströmungen können unterschiedliche Auswirkungen auf das eigene Schiff und das Zielobjekt haben.
  2. Auch die Eigenbewegungen des eigenen Schiffes sind ein Faktor.
    1. Da sich das Schiff im Seegang und in der Dünung bewegt, können die Personen gegen die Schiffswand schwingen, während sie hochklettern oder zu einem Einschiffungspunkt hochgezogen werden.
    2. Während die Personen hochklettern oder hochgezogen werden, kann das Fahrzeug, das sie gerade verlassen haben, durch eine Welle angehoben werden, und sie werden gegen die Schiffswand gedrückt oder eingeklemmt.
    3. Die Personen können von der Schiffsseite wegschwingen und mit einer anderen Gefahr, einschließlich des Fahrzeugs, das sie gerade verlassen haben, kollidieren.

8.3 Man muss versuchen, die durch die unruhige See verursachten Schwierigkeiten zu minimieren. Wenn Arbeiten zum Bergen geplant werden, hat man das Folgende in Betracht zu ziehen:

  1. Man muss versuchen, vom Wind ausreichend abzuhalten, um das Rollen und Stampfen des Schiffes zu verringern und um ein Lee zu schaffen. Man muss durch Versuch (sofern die Zeit es zulässt) die Position herausfinden, bei der das zu bergende Zielobjekt am problemlosesten längsseits liegt.
  2. Eine langsame Vorausfahrt mit dem zu bergenden Zielobjekt längsseits gesichert und dem Wetter auf dem entgegen gesetzten Viertel soll unterschiedliche Bewegungen verringern, obwohl es andere Risiken herbeiführt. Fahrzeuge können beschädigt werden, Leinen können brechen oder Personen können während der Bergungsarbeiten ins Wasser fallen und achteraus treiben.
  3. Falls möglich, muss man versuchen, die Überlebensfahrzeuge längsseits zu sichern, um zu verhindern, dass sie fortgeblasen oder hinter sich gelassen werden.
  4. Wenn Personen hochgezogen werden, sind an der Aufholvorrichtung Beiholer festzumachen, mit denen der Versuch zu unternehmen ist, das Schwingen zu minimieren.
  5. Um einen Schiffbrüchigen in dem Fall, dass er bzw. sie verletzt ist, zu sichern, sind immer Sicherheitsleinen und/oder Läufer zu verwenden.
  6. Falls die Differenz-Bewegung zu heftig ist, muss man andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.
  7. Es kann die Möglichkeit bestehen, die zu bergenden Personen auf eine Zwischenplattform wie beispielsweise ein Rettungsfloß, das zu ihnen herabgelassen wird oder als Fender an der Schiffsseite dient, zu übergeben.
  8. Es kann die Notwendigkeit bestehen, dass sie ins Wasser gehen müssen, geeignet ausgerüstet mit Schwimmhilfen und Sicherheitsleinen vom Schiff, um durch eine Sicherheitslücke zwischen dem Schiff und dem Überlebensfahrzeug gezogen zu werden.
  9. Letztendlich kann die einzige Möglichkeit jedoch darin bestehen, den Bergeversuch aufzugeben und am Zielobjekt zu bleiben und jede einem mögliche Unterstützung zu leisten, bis eine leistungsfähigere Bergungseinheit eintrifft, oder sich die Verhältnisse entspannen.

8.4 Der Zustand der zu bergenden Personen ist ein weiterer entscheidender Faktor. Wenn man auf einen Notfall reagiert, kennt man bis zum Eintreffen normalerweise nicht die Verfassung der zu bergenden Personen.

  1. Beim Bergen kann die Verfassung der Personen von körperlich guter Verfassung und ges- und bis zur vollkommenen Hilflosigkeit reichen, bei der sie durch Verletzung, Gebrechlichkeit, Unterkühlung oder Angst nichts zu ihrer eigenen Bergung beitragen können.
  2. Dieser weite Bereich von Fähigkeiten kann quer durch eine Gruppe von zu bergenden Personen gefunden werden, sodass einige der Gruppe in der Lage sein werden, ohne Hilfe in das bergende Schiff zu klettern, während andere Hilfe benötigen. Im Einzelfall kann beobachtet werden: Sogar die Fähigkeit von tauglichen und erfahrenen Seeleuten wird mit der Zeit aufgezehrt, und kann schnell aufgezehrt werden. Die Wetterverhältnisse - besonders die Umgebungstemperaturen - und der vorhandene Schutzgrad vor dem Bergen sind entscheidend.
  3. Man kann feststellen, dass Schiffbrüchige in der Lage sind, sich selbst zu helfen (und anderen). Man kann feststellen, dass man alle Arbeiten selbst verrichten muss, weil sie sich nicht selbst helfen können, oder es nicht mehr können. Man wird wahrscheinlich eine Mischung dieser Gegebenheiten finden.
  4. Angst ist ein Faktor, der Aufmerksamkeit verdient. Viele der Personen, die auf eine Bergung warten, werden damit umgehen können, andere nicht. Die Letzteren können vielleicht versuchen, als erste geborgen zu werden, oder (wenn sie beispielsweise Angst davor haben, Freunde oder Familienangehörige zu verlieren, oder wenn sie einfach Angst vor dem Bergevorgang selbst haben) können sie sich einer Bergung widersetzen. In beiden Fällen können sie gefährlich handeln. Man muss auf solches unberechenbare Verhalten so gut wie möglich vorbereitet sein, einschließlich griffbereiter zusätzlicher Rettungsmittel für den Fall, dass jemand im Wasser landet. Das Ziel ist, die Kontrolle über den gesamten Bergungsvorgang zu behalten: Der Kontrollverlust bei Einzelpersonen kann toleriert werden, soweit nicht die Sicherheit anderer unmittelbar betroffen ist.

8.5 Man muss darauf vorbereitet sein, sich mit jeder dieser Möglichkeiten zu befassen. Man hat im Voraus zu planen, so weit wie es praktisch durchführbar ist.

  1. Es kann das Beste sein, wenigstens einige der fähigeren Schiffbrüchigen zuerst an Bord zu bringen. Man wird wahrscheinlich fähigere Personen schneller bergen können, als man die Unfähigen bergen kann, und sobald sie an Bord sind, könnten sie vielleicht helfen, indem sie sich beispielsweise um andere Überlebende kümmern. Andererseits sollten sich einige der fähigsten Schiffbrüchigen auch zwischen den zuletzt zu bergenden Personen befinden, da man sie benötigt, um zu helfen, die Unfähigen für die Bergung vorzubereiten.
  2. Kommunikation mit denjenigen, die auf die Bergung warten, ist deshalb sehr wichtig. Ein kontrollierter und richtig priorisierter Bergungsablauf ist deshalb einzurichten und beizubehalten.

8.6 Die Größe des eigenen Schiffs im Verhältnis zum zu bergenden Zielobjekt wird unterschiedliche Bewegungen bewirken, wie vorstehend behandelt.

8.7 Die Größe wird auch bestimmen, wie weit die Personen, die geborgen werden, klettern oder hochgezogen werden müssen, was wiederum beeinflussen kann:

  1. Wie lange das Bergen dauert;
  2. wie viele Personen geborgen werden können;
  3. ob sie zusätzlichen Risiken ausgesetzt sind wie beispielsweise dem Schwingen gegen die Schiffsseite; und
  4. wie ängstlich sie gegenüber den Bergungsarbeiten sind.

8.8 Die Bauart des Schiffes kann das Bergen einfacher machen. Bei einem Schiff mit hohen Seiten können vielleicht Bereiche mit niedrigem Freibord oder Öffnungen im Schiffskörper wie beispielsweise Lotsen-, Bunker- oder Ladepforten benutzt werden.

8.9 Der beste Eingangsort in das Schiff ist unter Beachtung der vorherrschenden Verhältnisse festzulegen. Die zu erörternden Fragen umfassen:

  1. Wo können Leitern oder andere Klettervorrichtungen festgemacht werden?
  2. Wo können Hebevorrichtungen eingesetzt werden? Welche Stromquellen und elektrische Zuleitungen sind für derartige Vorrichtungen vorgesehen?
  3. Gibt es irgendwelche Bereiche mit niedrigem Freibord? Können sie bei schlechten Wetterverhältnissen oder schwierigen Seegangsverhältnissen sicher betreten werden? Können die Bergungsvorrichtungen dort festgemacht werden? Können die geborgenen Personen von dort aus sicher zu einem Schutzraum gebracht werden?
  4. Gibt es Öffnungen in der Außenhaut? Können sie bei schlechten Wetterverhältnissen oder schwierigen Seegangsverhältnissen sicher betreten und geöffnet werden? Können die Bergungsvorrichtungen dort festgemacht werden? Können die geborgenen Personen von dort aus sicher zu einem Schutzraum gebracht werden?
  5. Falls daran gedacht wird, achtern angeordnete Fallreepstreppen zu verwenden, gibt es eine Gefahr, dass Schiffbrüchige oder Fahrzeuge in der Nähe des unteren Endes der Leiter unter dem Schiffskörper, der sich zum Heck verjüngt, eingeklemmt werden?
  6. Gibt es entlang der Schiffsseiten eine Scheuerleiste? Falls vorhanden, ist dieses eine besondere Gefahr für kleine Fahrzeuge, mit einer erheblichen Gefahr, dass die Fahrzeuge darunter eingeklemmt werden. Die Stellen für die Bergung müssen an den Unterbrechungen in der Scheuerleiste angeordnet sein.

8.10 Die verfügbare Ausrüstung und die Anzahl der Personen, die befähigt sind, diese zu bedienen, sind ebenfalls Schlüsselfaktoren. Wenn es nicht genügend Personen gibt, die ausgebildet sind, um alle verfügbaren Mittel für das Bergen zu bedienen bzw. anzuwenden, oder wenn das bergende Schiff reichlich Personen hat, aber keine ausreichende Bergungsausrüstung vorbereitet hat, wird die Wirksamkeit des Bergens offensichtlich beeinträchtigt sein.

  1. Es ist die eigene Ausrüstung festzulegen.
  2. Es ist ihr Einsatz zu planen.
  3. Es sind die Personen zu bestimmen, die sie bedienen bzw. anwenden.
  4. Es ist sicherzustellen, dass sie wissen, wie sie bedient bzw. angewendet wird.

9 Anbordnahme von Personen an Bord des Schiffes - Hochklettern und Hochziehen

9.1 Die Verfahrensweisen des Bergens, die in diesem Leitfaden behandelt werden, gelten zusätzlich zu den speziell angefertigten Mitteln für das Bergen, die an Bord des Schiffes mitgeführt werden. Es sind Verfahrensweisen, die Seeleute in der Vergangenheit erfolgreich angewendet haben. Es ist zu überlegen, welche von ihnen an Bord des eigenen Schiffes angewendet werden können, oder ob man andere ausarbeiten kann.

9.2 Man muss vielleicht diese Verfahren mangels speziell angefertigter Mittel für das Bergen anwenden, oder an ihrer Stelle, wenn sie unter den gegebenen Umständen nicht eingesetzt werden können. Man muss diese Verfahren vielleicht auch als zusätzliche Mittel für das Bergen anwenden, wenn viele Personen vorhanden sind, die aufgenommen werden müssen - vor allem dann, wenn die Bergungszeit durch die voraussichtlichen Überlebenszeiten oder beispielsweise durch den Eintritt der Dunkelheit oder schlechten Wetters begrenzt ist.

9.3 Die folgenden Klettervorrichtungen sind in Betracht zu ziehen:

  1. Lotsenleitern und -aufzüge,
  2. Fallreepstreppen,
  3. die eigenen Einbootungsleitern der Überlebensfahrzeuge, und
  4. sonstige Leitern und Netze.

9.4 Einige oder alle davon können in den meisten Fällen klargemacht werden, egal wie die Verhältnisse sind. Dabei sind die folgenden Punkte zu beachten:

  1. Das Hochziehen von Schiffbrüchigen ist dem Hochklettern auf einer Leiter oder an einem Netz vorzuziehen - siehe unten.
  2. Leitern und Netze sind so auszubringen, dass der Aufstieg minimiert ist, das bedeutet, dort wo der Freibord am geringsten ist oder an geeigneten Öffnungen in der Bordwand des Schiffes.
  3. Sie sind an den senkrechten Bordwänden des Schiffes anzubringen, entfernt von Bug und Heck.
  4. Ihre unteren Enden sind zu beschweren, sodass sie etwa zwei Meter unter der Wasseroberfläche hängen, um den Personen im Wasser ihr Besteigen zu ermöglichen.
  5. Falls möglich, sind Netze und Jakobsleitern so auszubringen, dass sie frei von der Bordwand des Schiffes hängen, um den Personen das Ergreifen der Sprossen oder Quertaue leichter zu ermöglichen.
  6. Lotsenleitern - oder Fallreepstreppen, - wenn sie unter den vorherrschenden Verhältnissen sicher klargemacht werden können - sind Netzen und Jakobsleitern vorzuziehen.
  7. Alle Leitern und Netze sind zu beaufsichtigen.
  8. Neben ihnen sind Sicherheitsleinen mit Rettungsstropps oder Schlaufen am Ende für die Benutzung durch die Schiffbrüchigen auszubringen. Diese Sicherheitsleinen sind sachgemäß zu befestigen und zu beaufsichtigen.
  9. Am unteren Ende der Leiter oder des Netzes kann ein Rettungsfloß ausgebracht werden, um als Transferplattform zu dienen.
  10. Die Personen können vielleicht den Aufstieg nicht schaffen. Unter diesen Umständen muss möglicherweise ein Besatzungsmitglied des bergenden Schiffes, das persönliche Schutzausrüstung trägt und eine Sicherheitsleine angelegt hat, hinunter steigen, um zu helfen.
  11. Wenn Personen unfähig sind, den Aufstieg vorzunehmen, muss die Leiter oder das Netz möglicherweise mit ihnen daran gesichert eingeholt werden. Bei einem einzelnen Schiffbrüchigen kann dieses manuell möglich sein. Andernfalls muss eine Winde oder sonstige Kraftquelle eingesetzt werden.

9.5 Im Allgemeinen ist das Hochziehen von Überlebenden dem Versuch, eine Leiter oder ein Netz hochzuklettern, vorzuziehen. Die folgenden Hebevorrichtungen sind in Betracht zu ziehen:

  1. Kräne (einschließlich Proviantkräne usw.), Portalkräne, Ladebäume,
  2. Davits,
  3. Ankerwinde, Winden, und
  4. eigens gebaute Einholvorrichtungen.

9.6 Die folgenden Punkte sind zu beachten:

  1. Die Aufholvorrichtungen sind derart festzumachen, dass die zu bergenden Personen entfernt von Gefahren hochgezogen und an Deck in einem sicheren Bereich abgesetzt werden können.
  2. Soweit möglich sind von der Ankerwinde oder von Winden ausgehende Leinen derart auszubringen, dass der Schiffbrüchige über die Deckskante gehoben werden kann.
  3. Am unteren Ende der Vorrichtung sind Beiholer festzumachen, mit denen das Schwingen gegen die Bordwand des Schiffes begrenzt werden kann.
  4. Das untere Ende der Vorrichtung ist mindestens mit einem Rettungsstropp oder einer Rettungsschlaufe auszurüsten.
  5. Ein speziell angefertigter oder improvisierter Rettungskorb oder eine eigens gebaute Einholvorrichtung ist gewöhnlich besser als Stropps und Schlingen.
  6. Wenn möglich, sind die Personen, die im Wasser gewesen sind, die Verletzten und die Unfähigen in einer waagerechten oder nahezu waagerechten Lage hochzuziehen (beispielsweise in einem Korb oder in zwei Stropps, der eine unter den Armen und der andere unter den Knien). Dieses minimiert das Schockrisiko, hervorgerufen durch abruptes Herausheben aus dem Wasser und mögliche Unterkühlung.
  7. Ein Besatzungsmitglied des bergenden Schiffes, das persönliche Schutzausrüstung trägt und eine Sicherheitsleine angelegt hat, kann vielleicht mit der Vorrichtung hinunter gelassen werden, um denjenigen zu helfen, die unfähig sind, sich selbst zu helfen, in die Stropps, Schlingen Körbe oder sonstige Mittel zu gelangen.

9.7 Der vorstehend genannte Rettungskorb ist ein besonders zweckmäßiges Bergungsmittel. Es kann möglich sein, einen solchen Korb zu improvisieren, aber er ist kein teueres Ausrüstungsteil, und es wird deshalb empfohlen, dass ein speziell angefertigter Korb an Bord mitgeführt wird.

9.8 Der Rettungskorb hat normalerweise die Form eines Metallrahmens mit Schwimmkörpern/Fendern rund um seinen Umfang, und der Heißhaken ist oben am Rahmen frei von den Personen im Inneren festgemacht. Der Korb schwimmt teilweise untergetaucht, sodass die Personen leicht in ihn hinein kommen oder in ihn hinein gezogen werden können. Die Schwimmkörper dienen ferner als Fender während des Aufwinschens, sollte der Korb gegen die Bordwand des Schiffes schwingen. Einige Körbe sind so gebaut, dass sie für eine leichte Verstauung zusammengeklappt werden können. Die Größe des Korbes und wie viele Personen mit ihm auf einmal aufgewinscht werden können, hängt größtenteils von der Aufwinsch-Leistungsfähigkeit des Schiffes ab.

9.9 Die vorstehend genannten Beiholer - normalerweise vorn und achtern längs der Bordwand des Schiffes ausgebracht und während des Aufwinschens geführt, um die Vorrichtung zu stabilisieren und Schwingungen zu minimieren - können durch eine Leine zum Überlebensfahrzeug ergänzt werden. Diese Leine dient zwei Funktionen. Sie kann durch diejenigen, die noch an Bord des Überlebensfahrzeugs sind, als zusätzliches Mittel für die Kontrolle der seitlichen Bewegung der Vorrichtung geführt werden. Sie dient auch dazu, die Verbindung mit dem Überlebensfahrzeug durchgehend aufrechtzuerhalten, sodass die Vorrichtung einfacher zum Überlebensfahrzeug für den nächsten Aufwinschvorgang zurückgebracht werden kann.

9.10 Die Überlebensausrüstung des eigenen Schiffes kann für die Zwecke des Bergens eingesetzt werden.

  1. Rettungsflöße und Rettungsboote, die in den Läufern hängen bleiben, können bei verhältnismäßig guten Verhältnissen als Aufzüge eingesetzt werden. Das Fieren dieser Einheiten zur Wasseroberfläche ermöglicht den Personen, dass sie von Überlebensfahrzeugen übergeben werden und zum Einbootungsdeck des bergenden Schiffes hochgezogen werden. Es ist zu beachten, dass:
    1. Jede Schnell-Auslösevorrichtung ist zu sperren.
    2. Es ist sorgfältig darauf zu achten, die Davit-Winden nicht zu überlasten, die normalerweise nicht dafür ausgelegt sind, Fahrzeuge mit mehr als der eigenen Bordbesatzung einzuholen: Nach diesem Verfahren können die Personen üblicherweise nur in kleinen Gruppen geborgen werden.
  2. Schiffe, die mit Schiffsevakuierungssystemen des Rutschentyps ausgerüstet sind, können diese einsetzen und Personen bergen, indem diese auf der Rutsche hochgezogen werden.
    1. Leichte Leitern können für den Einsatz auf der Rutsche aufliegend mitgeführt werden, um den Personen das Hochklettern auf ihr ohne Hilfe zu ermöglichen: Dies wird üblicherweise leichter sein als auf einer an der senkrechten Bordwand des Schiffes angebrachten Leiter hochzuklettern.
    2. Winden können so aufgestellt werden, dass die Personen, gesichert mit Rettungsstropps oder -schlingen, auf der Rutsche an Leinen hochgezogen werden können.

9.11 Eine weitere in Betracht zu ziehende Alternative ist, wenn mit Winden ausgerüstete Hubschrauber vor Ort sind, diese als Transferaufzug einzusetzen. Die Personen können vom Überlebensfahrzeug aufgewinscht und unmittelbar auf das bergende Schiff abgewinscht werden; dieser Vorgang ist schneller, als sie erst in die Kabine des Hubschraubers zu übernehmen. Der Hubschrauber wird praktisch als Kran eingesetzt.

10 Bereithalten, wenn Personen nicht geborgen werden können

10.1 Es wird Zeiten geben, bei denen ohne eine übermäßige Gefährdung des Schiffes, seiner Besatzung oder der Bergungsbedürftigen das Bergen nicht versucht oder abgeschlossen werden kann. Nur der Kapitän des Hilfe leistenden Schiffes kann darüber entscheiden, wann dieser Fall eintritt.

10.2 Hilfeleistung kann den Schiffbrüchigen auch dann noch gegeben werden, wenn man sie nicht bergen kann. Ein Bereithalten bis andere Hilfe eintrifft oder sich die Verhältnisse bessern wird:

  1. Den Schiffbrüchigen Trost geben, besonders wenn Kommunikation hergestellt werden kann;
  2. das Rescue Coordination Centre (RCC) unterstützen, da man in der Lage ist, aktuelle und ausführliche Berichte über die Situation abzugeben; und
  3. andere SAR-Einrichtungen unterstützen:
    1. Das eigene Schiff ist für sie leichter zu lokalisieren als ein Überlebensfahrzeug,
    2. man kann aktuelle und ausführliche Berichte abgeben, und
    3. Einheiten wie beispielsweise Hubschrauber sind in der Lage, Schiffbrüchige zum eigenen Schiff zu transportieren, selbst wenn man sie nicht direkt bergen kann.

10.3 Wie vorstehend erläutert, kann aber auch direktere Hilfe gegeben werden.

  1. Die Rettungsmittel des eigenen Schiffes - besonders Rettungsflöße - können eingesetzt werden, sodass die Schiffbrüchigen, besonders die Personen im Wasser, sie benutzen können.
  2. Wenn den Überlebensfahrzeugen Leinen übergeben werden können, so können sie aus unmittelbarer Gefahr herausgehalten werden, indem sie an eine Position geschleppt werden, wo die Verhältnisse ruhiger sind und das Bergen versucht werden kann oder sogar zu einem in der Nähe liegenden sicheren Ort geschleppt werden.
  3. Man kann für Überlebensfahrzeuge Lee machen, um sie vor den ungünstigsten Verhältnissen zu schützen und um das Leben derjenigen an Bord ein bisschen zu erleichtern.
  4. Man kann in der Lage sein, den Überlebensfahrzeugen mehr unmittelbare Hilfe zur Verfügung zu stellen, wie Versorgungsmittel einschließlich medizinischer Mittel, indem man diese beispielsweise an einer an einem Rettungsring befestigten Leine auf sie zutreiben lässt oder diese an eine Stelle schleppt, an der die Schiffbrüchigen sie fassen können.

11 Sofortige Behandlung der geborgenen Personen

11.1 Das Bergen endet nicht, wenn der Schiffbrüchige das Deck des eigenen Schiffes betritt. Er oder sie benötigt noch unverzügliche Hilfe - und ist immer noch ein bisschen in Gefahr, in einer fremden Umgebung und war unter großer Belastung.

11.2 Geborgene Personen benötigen einfache Anweisungen, und möglichst einen Begleiter zu einem Schutzraum, wo sie sich in Sicherheit befinden. Man hat vorher zu entscheiden, wohin die Schiffbrüchigen an Bord des eigenen Schiffes gehen sollen, wie sie dorthin kommen, wer sie hinbringt und wer sie betreut, sobald sie ankommen. Dieses muss Vorkehrungen für Personen enthalten, die verwirrt sind und vielleicht unfähig, Anweisungen zu verstehen. Es müssen auch Vorkehrungen für diejenigen enthalten sein, die körperlich unfähig sind, sich über das Schiff zu bewegen.

11.3 Man hat besonders an das Schockrisiko zu denken, das durch abruptes Herausheben aus dem Wasser und eine mögliche Unterkühlung hervorgerufen wird. Wenn möglich, sind die Personen, die im Wasser gewesen sind, die Verletzten und die Unfähigen waagerecht aus dem Wasser herauszunehmen und in einer waagerechten oder nahezu waagerechten Lage zu transportieren. Sie sind so schnell wie möglich in der Position für Bewusstlose zu lagern und in dieser Lage zu belassen. Es wird auf die Anleitung zur Behandlung von Unterkühlung verwiesen.

11.4 Man hat auch zu entscheiden, was man mit den Toten machen wird. Es können Leichen geborgen werden, oder lebend geborgene Personen können an Bord des eigenen Schiffes versterben. Man muss sofort handeln, wenn es nur darum geht, sie von dem Ort zu entfernen, an dem man die Lebenden untergebracht hat. Auf die Anleitung zur Behandlung der Unterkühlung wird aufmerksam gemacht, und besonders im Einzelnen auf den Hinweis, dass Personen, die unter Unterkühlung leiden, tot erscheinen können, jedoch noch wiederbelebt werden können. Man hat ärztlichen Rat einzuholen.

11.5 Weitere Anleitungen für die Versorgung von geborgenen Personen können im IAMSAR Volume III ("Mobile Facilities") Section 2 "Care of Survivors" gefunden werden. Da diese weitere Versorgung nach dem Bergen stattfindet, geht sie über den Zweck dieses Leitfadens hinaus. Es wird empfohlen, sich für Hilfe bei der nächsten Stufe der Rettungsaktion auf das IAMSAR Manual zu beziehen (siehe auch Anhang).

12 Schlussfolgerungen

12.1 Wenn man sich in der Situation befindet, einen Notruf (SOS-Ruf) zu beantworten und man mit der Aussicht auf das Bergen von Personen auf See konfrontiert ist, ist es sicher, dass die Verhältnisse einzigartig sein werden - und es ist möglich, dass die eigene Antwort auch einzigartig sein muss.

12.2 Es hilft, die Möglichkeiten vorher zu erörtern: Mögliche Probleme und mögliche Lösungen. Es hilft zu planen und vorzubereiten - und Vorbereitung bedeutet die Beurteilung der Bergungsmöglichkeiten an Bord des eigenen Schiffes und Übung in ihrer Anwendung.

12.3 Es könnte ein Leben retten (selbst das deinige), es könnte viele Leben retten.

  1. Bewerte die Bergungsmöglichkeiten an Bord des eigenen Schiffes,
  2. übe ihre Anwendung, und
  3. sei vorbereitet, Leben zu retten.

.

Zusätzliche Informationen, die auf Volume III des IAMSAR Manuals basieren Anhang

Allgemeines

1 Das Folgende ist ein Auszug aus Volume III des IAMSAR Manuals: "Mobile Facilities". Für weitere Anleitungen ist auf Volume III zu verweisen, beispielsweise über den Transfer von Überlebenden mit Hubschraubern und über die sofortige Versorgung von Überlebenden, sobald sie erfolgreich geborgen worden sind.

Bergen von Überlebenden durch Hilfe leistende Schiffe

2 Seeleute haben sich zu überlegen, wie Überlebende unter den verschiedenen Umgebungsverhältnissen auf ihr eigenes Schiff zu bergen sind. Die Bergemethoden umfassen:

  1. Die Verwendung von Leinen des Leinenwurfgeräts oder Wurfleinen, um Rettungsringe und/ oder Leinen zu den Überlebenden auszubringen;
  2. das Durchs-Wasser-Ziehen einer Leine/eines Seils mit angebrachten Rettungsringen oder anderen Schwimmkörpern;
  3. das Ausbringen von Lotsenleitern, Jakobsleitern oder Netzen, die möglichst frei von der Bordwand des Schiffes hängen, mit Sicherheitsleinen. Sind Überlebende nicht in der Lage hochzuklettern, müssten die Leitern oder Netze eventuell mit den darauf gesicherten Überlebenden eingeholt werden.

Wo durchführbar:

  1. sind Leitern und Netze von Lotsenpforten oder anderen niedrig liegenden Öffnungen aus auszubringen;
  2. sind Sicherheitsleinen mit Rettungsstropps oder -schlingen einzusetzen;
  3. sind entsprechend ausgerüstete Besatzungsmitglieder einzusetzen, um den Überlebenden unmittelbar zu helfen; und
  4. ist ein Rettungsfloß mit Leiter oder Netz, das als Transferplattform dient, einzusetzen.
  1. das Hochziehen von Überlebenden auf geeigneten Schiffsevakuierungssystemen;
  2. der Einsatz von Rettungsflößen oder Rettungsbooten für Überlebende, um sich an ihnen festzuhalten oder in sie hineinzuklettern;
  3. der Einsatz von Flößen oder Booten, die in den Läufern hängen bleiben, als Aufzüge, wenn die Verhältnisse es zulassen;
  4. das Hochziehen von Überlebenden unter Verwendung von Portalkränen, Kränen, Davits oder Ladebäumen mit festgemachten Leinen, um das Schwingen gegen die Bordwand des Schiffes zu minimieren;
  5. der Einsatz von speziell angefertigten oder improvisierten Rettungskörben;
  6. das Ausbringen einer Bootsleine für Boote und Überlebensfahrzeuge, um sie längsseits zu sichern; und
  7. das Herablassen von Einbootungsleitern.

3 Alle eingesetzten Leuchten dürfen nicht auf die Hubschrauber gerichtet werden, die in dem Gebiet eingesetzt sind.

4 Wenn möglich, sind Überlebende im Wasser in einer waagerechten oder nahezu waagerechten Lage hochzuziehen (beispielsweise in zwei Stropps, der eine unter den Armen und der andere unter den Knien), um das Schockrisiko, hervorgerufen durch abruptes Herausheben aus dem Wasser und mögliche Unterkühlung, zu minimieren.

5 Hilfe leistende Schiffe müssen auch darauf vorbereitet sein, Überlebende von Hubschraubern 1 zu übernehmen.

6 Wenn das mit den Arbeiten zum Bergen verbundene Risiko das Risiko, die Überlebenden in den Rettungsmitteln zu belassen, überwiegt, hat man das Folgende zu erwägen:

  1. Einsatz des Schiffes zum Leemachen für die Überlebenden;
  2. Ausbringen von Rettungsmitteln durch das Hilfe leistende Schiff;
  3. Aufrechterhalten von Sichtkontakt und Kommunikation mit den Überlebenden;
  4. Unterrichtung der Koordinierungsstelle über den aktuellen Stand; und
  5. Übergabe notwendiger Mittel zum Überleben und medizinischer Mittel.

_____

1) Siehe IAMSAR-Manual, Volume III, Section 2: "Helicopter Operations"

*) Durch die Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr wird hiermit das Rundschreiben des Schiffssicherheitsausschusses MSC der IMO MSC.1/Rundschreiben 1182, "Leitfaden für Techniken des Bergens von Personen", in deutscher Sprache amtlich bekannt gemacht.

ENDE

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