umwelt-online: Grenzwerte und Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor elektromagnetischen Feldern (4)
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A3.3.2 Spontane und initiierte Tumorbildung

Die ersten Tierstudien zur Bildung spontaner Tumoren bei chronischer Exposition wurden bereits in der 70er und 80er Jahren durchgeführt. Aufgrund der unzureichenden Dosimetrie und der schwachen Histopathologie sind diese Studien wissenschaftlich nicht aussagekräftig. Ratten, die 25 Monate lang mit gepulsten Mikrowellen (2,45 GHz) schwacher Intensität (zwischen 0,15 W/kg und 0,4 W/kg) exponiert wurden, zeigten häufiger bösartige, unterschiedliche Primärtumoren als die Kontrolltiere. Da jedoch die Überlebensrate gegenüber den Kontrolltieren unverändert war, ist die Aussage spekulativ, dass die statistische Signifikanz einen biologischen Einfluss wiedergibt. Bei gutartigen Tumoren war kein Unterschied zu finden [Cho 92]. Studien von Toler [Tol 97] bzw. Frei [Fre 98] konnten bei Expositionen mit gepulsten 435 MHz- bzw. 2,45 GHz-Feldern keine Reaktion auf die Brustkrebsentwicklung sehen.

Ob hochfrequente elektromagnetische Felder mit genotoxischen Stoffen synergistisch interagieren und vorzeitig zu Krebs führen können, ist Gegenstand zahlreicher Studien. Eine Überhitzung kann ebenfalls die Kanzerogenität von Substanzen erhöhen. Deshalb ist die Dosimetrie bei den Untersuchungen ein wichtiger Punkt, um abschätzen zu können, ob eine übermäßige lokale Erwärmung auftrat.

Auch neuere Experimente zur Tumorpromotion im Frequenzbereich, der für den Mobilfunk üblich ist, konnten keine tumorpromovierende Reaktion finden [Ima 98a; Ima 98b; Cha 99]. Die Studie von Adey et al. [Ade 99] zeigte ebenfalls keine promovierende Reaktion der hochfrequenten Felder. Es deutete sich sogar an, dass gepulste Felder eher eine tumorinhibierende Reaktion bei chemisch induzierten Hirntumoren bei Ratten zur Folge hatten, die Felder analoger Funksysteme dagegen nicht. Diese Tendenz war jedoch statistisch nicht signifikant. Für eine statistisch abgesicherte Aussage zu der in der Studie beobachteten Tumorinhibierung würden mehr Daten benötigt. Hihashikubo et al. [Hih 99] verwendete ebenfalls ein Tiermodell für Hirntumoren (9L Gliosercoma). Kontinuierliche (835262 MHz) und frequenzmodulierte (847,74 MHz) Felder, die eine SAR im Rattenhirn von 0,75 + /-0,25 W/kg erzeugten, bewirkten keine signifikanten Unterschiede zu den scheinexponierten Tieren.

Studien mit genmanipulierten Mäusen unterscheiden sich im Tiermodell von den o. g. Studien zur Krebspromotion. Repacholi et al. [Rep 97] exponierten genetisch veränderte Mäuse, die prädisponiert sind, Lymphome zu entwickeln mit GSM-Feldern (0,01 W/kg-4,2 W/kg). Auch wenn noch nicht bekannt ist, ob und in welcher Weise die Daten von genmanipulierten Mäusen auf den Menschen übertragbar sind, erhält man doch aus derartigen Experimenten Hinweise auf mögliche Reaktionen. Die Studie weist allerdings dosimetrische Ungenauigkeiten und histologische Unvollständigkeiten auf. Den Hinweisen wird in Wiederholungsstudien mit genetisch veränderten Mäusen nachgegangen.

Weitere Studien zur Tumorentwicklung sollten durchgeführt werden.

A3.3.3 Epidemiologische Studien

Epidemiologische Studien, die einen Zusammenhang zwischen bestimmten Erkrankungen und der Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern untersuchten, sind nicht zahlreich und weisen alle dosimetrische Mängel auf. Die Aussagekraft der Studien ist daher gering.

Personen, die am Arbeitsplatz hochfrequenten Feldern ausgesetzt gewesen sein könnten, wurden in einer epidemiologischen Studie nach ihrer Berufsbezeichnung in vier Expositionsklassen eingeteilt und über den Zeitraum von 20 Jahren auf Hirntumoren und Lymphome bzw. Leukämie hin untersucht. In der Kohortenstudie zeigte sich keine Assoziation zwischen den untersuchten Krebsarten und der beruflich bedingten Exposition [Mor 00]

In einer Fallkontrollstudie befragten Hardell et al. [Her 99] Patienten mit Hirntumoren. Es zeigte sich kein erhöhtes Risiko, allgemein an Hirntumoren zu erkranken, sondern lediglich ein erhöhtes, allerdings statistisch nicht signifikantes Risiko für Tumoren (temporaler und occipitaler Lobus) auf der Kopfseite, an der nach Angabe der Personen am meisten telefoniert wurde. Dieses erhöhte Risiko wurde jedoch nur für das schwedische analoge Mobilfunksystem gefunden. Da sich bei der Analyse aller Fälle kein statistisch signifikanter Zusammenhang zeigte, kann sich diese Assoziation auch zufällig ergeben haben.

In einer Studie zu Hirntumoren und GSM-Handys von Musat et al. [Mus 00] wurde die mittlere Dauer der Handy-Nutzung mit 2,8 Jahren für die Erkrankten und 2,7 Jahren für die Kontrollgruppe errechnet. Für diesen Zeitraum wurde keine statistisch signifikante Assoziation zum Auftreten von Hirntumoren allgemein gefunden. Hirntumoren zeigten sich häufiger auf der Seite, die auch beim Telefonieren benutzt wurde, was sich aber nicht als statistisch signifikant abgesichert herausstellte. Betrachtet man die Tumoren im temporalen und occipitalen Lobus (Schläfen- und Hinterkopfbereich), so - zeigte sich die Tendenz, dass diese häufiger auf der gegenüberliegenden Kopfhälfte auftraten. Auch dieses Ergebnis ist jedoch nicht statistisch signifikant. Im Gegensatz zur Studie von Hardell et al. lagen die Risikoschätzer (relatives Risiko im Vergleich zur Kontrollgruppe) unterhalb der Zahl 1 - mit Ausnahme des seltenen Neuroepithelioms (OR 9) 2,1; 95%-Konfidenzintervall 0,9 bis 4,7).

Ein größeres Personenkollektiv (782 Falle, 799 Kontrollen) stand Inskip et al. [Ins 01] für eine Interviewstudie zur Verfügung. Das relative Risiko für Hirntumoren betrug 1,0 (95%-Konfidenzintervall 0,6 bis 1,5), wenn das Telefon mehr als 100 Stunden benutzt wurde, d. h. es zeigte sich keine statistische Assoziation. Ebenfalls keine. Erhöhung der Tumorerkrankung zeigte sich, wenn das Telefon 60 Minuten oder mehr pro Tag oder regelmäßig über 5 Jahre benutzt wurde. Eine erhöhte Tumorhäufigkeit, bezogen auf die beim Telefonieren bevorzugte Kopfseite, wurde nicht festgestellt.

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(Stand: 16.06.2018)

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